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Weihnachtsbäume zu vermieten
Von Dagmar Haas-Pilwat 14. Dezember 2003, 00:00 Uhr

Jörg Segrodnik hatte eine pfiffige Geschäftsidee

Alles ist fertig, der Baum mit Äpfel und Rentieren, orangefarbenen Kugeln und kleinen Paketen geschmückt. Alle warten auf die Bescherung - das Glöckchen klingelt, aber die Beleuchtung versagt. Da hat man mühselig die Lichterketten in die Zweige gefriemelt und dann versagt irgendeine dieser Mini-Lampen. Was der Alptraum jeder Weihnachtsfeier im trauten Familienkreise ist, erlebt Jörg Segrodnik immer wieder. Erst vor einer Woche, als sein Team die per Lastwagen transportierte 3,50 Meter hohe Nordmann-Tanne im Golfclub Hummelsbach in Norf fertig dekoriert hatte. Der Baum blieb dunkel, alles musste wieder runter, stundenlange Arbeit war umsonst gewesen.

Für den Profi aus Meerbusch kein Problem, das gehört zu seinem Job. Denn schließlich ist er nicht nur mit seinem Vermietservice "leih es" Spezialist für das Ausleihen von Kerzenleuchtern, Stühlen, Besteck oder Zelten, sondern auch für komplett geschmückte Bäume, echt oder unecht, mit Ballen oder ohne.

Vor fünf Jahren haben Monika und Jörg Segrodnik die Möglichkeiten des "Rent a Christmas Tree" entdeckt. Damals ging es bei einem Mitarbeiterfest der Lufthansa aus Kostengründen um die Frage: Baum ja oder nein? Die neue Geschäftsidee war geboren und ist seitdem für den 45-Jährigen in der Adventszeit eine lukrative zusätzliche Einnahmequelle.

Banken und Versicherungen, Autohäuser und Golfclubs halten sich gern einen Baum auf Zeit und geben beispielsweise 200 Euro für eine zwei Meter große Tanne aus. Hauptsache, sie haben mit Dekoration und vor allem Entsorgung des Baumes nach dem Fest nichts zu tun. Denn die ist natürlich im Service inklusive. Der Mietpreis richtet sich auf jeden Fall nach Baumhöhe, Mietdauer und Dekorationsaufwand.

Wie sehen den die Trends in diesem Jahr aus? Also Orange sei die führende Farbe, meint der Fachmann aus Meerbusch, der zusätzlich ein großes Lager in Wuppertal gefüllt mit Tischen, Tellern und Tassen - ebenfalls fürs Fest - unterhält. Aber auch Silber und Blau kommen gut an. Neben den klassischen Kugeln, Sternen und Schleifen hängen dann - wie passend - im Golfclub golfende Schneemänner aus bemaltem Blech an den Zweigen, während Sparkassen Weihnachtsmänner mit Geldscheinen bevorzugen.

Die meisten entscheiden sich für Naturtannen, obschon die künstlichen, die jedes Jahr wieder zusammengesteckt werden können, immer echter aussehen. Und selbst für den typischen Geruch - frisch aus dem Wald - gibt es das richtige nach harzigem Grün duftende Raumspray. Aber Illusion ist nicht alles, Weihnachten bei uns doch eher ein klassisches Fest. Computergesteuerte wie der riesengroße funkelnde Baum in den Düsseldorfer Schadow Arkaden, der sich ferngesteuert dreht und sein Licht verändert, seien anders als in Amerika bei uns noch die Ausnahme, meint der Meerbuscher. Und wie sieht es bei der Familie Segrodniks und den beiden Kindern am Heiligen Abend aus? Traditionell kommt nur eine Nordmann-Tanne ins Haus und geschmückt wird sie mit dem, was bei "leih es" übrig geblieben ist.

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